Von der Kaffeeliebe zum nachhaltigen Business.
In Folge 53 unseres Podcasts FAIRstärkung treffen sich Anja und Helene mit Nadine Barskiy, Mitgründerin der Morning Coffee Company. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie sich mit einem mutigen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt – neben Job, Kind und den Erfahrungen einer früheren Privatinsolvenz im Nacken.
Was zunächst nach einer klassischen Gründungsgeschichte klingt, entpuppt sich als vielschichtiger, ehrlicher Erfahrungsbericht über transparentes Wirtschaften, nachhaltige Entscheidungen und die Herausforderungen selbstständiger Frauen im heutigen Arbeits- und Finanzsystem.
Der Weg von der Siebträgermaschine zum Kaffeehandel
Alles begann mit einer Siebträgermaschine. Sie stand da auf der neuen Küchenzeile und sofort war klar, einer musste jetzt lernen sie zu bedienen. Es folgte ein Baristakurs und entwickelte sich von da an zu einem Herzensprojekt: Der Wunsch nach magenfreundlichem, nachhaltigem Kaffee brachte Nadine und ihren Mann Ilja zum 100 % Robusta-Kaffee – eine Sorte, die oft unterschätzt wird, die aber mit weniger Säure, doppeltem Koffeingehalt und besserer Klimabilanz überzeugt.
Die beiden verzichteten bewusst auf eine eigene Rösterei, entschieden sich für eine schlanke Gründung mit verlässlichen Partnern und gründeten eine GbR. Ihr Ziel: Ein fair gehandelter Kaffee, der nicht nur schmeckt, sondern auch den Menschen in den Anbauregionen ein gutes Leben ermöglicht.
Warum Robusta? Und warum fair?
Die Morning Coffee Company setzt auf Robusta, weil er magenfreundlicher und widerstandsfähiger gegenüber Klimaveränderungen ist – ein Pluspunkt in puncto Nachhaltigkeit. Doch wichtiger als die Bohne selbst ist der Blick hinter die Lieferkette: Woher kommt der Kaffee wirklich? Wer profitiert vom Verkauf? Nadine berichtet, wie ihnen Transparenz bei der Herkunft fehlte – und wie sie schließlich Röster fanden, die mit kleinen Farmen direkt zusammenarbeiten. So bleibt die Wertschöpfung möglichst bei den Produzent:innen.
Gründen mit Risiko – aber ohne Burnout
Auf dem Weg in die Selbstständigkeit standen für Nadine und Ilja vor allem eines im Raum: das Thema Risiko. Nadine teilt offen ihre persönlichen Hürden – von der Angst vor Haftung über die Suche nach der passenden Gesellschaftsform bis hin zu den Nachwirkungen einer früheren Privatinsolvenz.
Ein zentrales Learning: Sich frühzeitig Unterstützung holen – rechtlich, steuerlich und im persönlichen Umfeld. Dass sie gemeinsam mit ihrem Mann gründete, war dabei Fluch und Segen zugleich: Ein Balanceakt zwischen Partnerschaft, Familie und Unternehmertum, der bis heute Gespräche über Rollenverteilung, Zeitaufwand und Prioritäten erfordert.
Der Business-Alltag ist dabei geprägt von Trial-and-Error – aber auch von viel Leidenschaft.
Learnings für andere Gründer:innen – und solche, die es werden wollen
Was kann man aus dieser Folge mitnehmen? Ihre Learnings:
Klein anfangen: Die Morning Coffee Company wurde bewusst risikoarm gegründet – ohne Fremdkapital, mit schlanken Strukturen und in kleinen Produktionsmengen.
Beratung nutzen: Von Datenschutz bis Produkthaftung – rechtlicher Beistand und Austausch mit Expert:innen aus dem eigenen Netzwerk halfen, Fallstricke zu vermeiden.
Realistisch planen: Gerade die Neukundengewinnung erwies sich als größere Herausforderung als erwartet,
Sich selbst ernst nehmen: Gerade Frauen neigen dazu, ihre Ideen kleinzureden. Nadine ruft dazu auf, sich etwas zuzutrauen, statt zu warten, bis alles perfekt ist.
Selbstständigkeit, Geld und Altersvorsorge – kein Widerspruch
Ein wichtiges Thema der Folge ist auch die finanzielle Absicherung für Selbstständige – insbesondere für Frauen. Nadine und die FAIRstärkung sprechen offen über Altersarmut, Krankenversicherung und den Spagat zwischen unternehmerischem Investment und privater Vorsorge. Ein zentraler Punkt: Es gibt keine Einheitslösung. Was zählt, ist, realistisch zu planen und Entscheidungen zu treffen, die sich gut anfühlen – emotional wie finanziell.
Kaffee, Leidenschaft und Realitätssinn – das geht zusammen
Diese Folge zeigt eindrücklich: Gründen bedeutet nicht immer, alles auf eine Karte zu setzen. Es geht auch anders – mit Bedacht, mit Teamwork, mit einer klaren Haltung. Nadine Barskiy steht für einen Ansatz, der Wirtschaftlichkeit und Werte miteinander verbindet. Und für einen Kaffee, der nicht nur schmeckt, sondern auch einen Unterschied macht.
Jetzt reinhören in Folge 53 von FAIRstärkung:
„Nadine Barskiy – Von der Kaffeeliebe zum Business – nachhaltiges Gründen ohne Burnout“